Aber er ist doch kein Unmensch

Beim Frühstück guckt er seinen Latte Macchiato enttäuscht an und fragt, warum der so klein ist.
Ich freundlich: „Wegen der Milch. Es war nicht mehr genug oben. Soll ich dir nen neuen Kaffee machen, in den Keller gehen und Milch holen…?“
Er wird sauer und lauter: Dass ich gleich so ein Theater daraus machen müsse. Er hätte doch nur gefragt.
Hinterher wollte er nichts mehr davon wissen, dass er die Stimme erhoben hat. Er ist dann sogar nochmal sauer geworden, dass ich sowas behaupten würde. – Alles klar.

Das war einfach nur verrückt, aber ja nicht die einzige Situation in der Art. Ich wollte alles richtig machen und biete ihm an, mitten im Frühstück in den Keller zu gehen, obwohl ich schon das ganze Frühstück gemacht hatte, bloß weil sein Kaffe kleiner ist als sonst, weil das Kaffee-Milch-Verhältnis anders nicht mehr perfekt gewesen wäre. Und statt Dank bekomme ich eine Zurechtweisung. Geht’s noch? Und dann beschwere ich mich über Letzteres und dann will er gar nicht laut geworden sein. Ich bin doch nicht blöd!

Und dann wird er auch noch sauer, dass ich ihn durch dieses ganze Bohei so darstelle, als wäre er ein Unmensch, der sich über einen kleineren Kaffee beschwert, was er doch niemals tun würde. – Nein, ist klar: sein Blick und der Ton waren beide gar nicht abfällig, schroff, missbilligend oder sonst irgendwie unzufrieden. Das habe ich mir alles wohl nur eingebildet.

Ein anderes Mal habe ich ihm echt das Fruchtfleisch aus dem O-Saft gesiebt, weil er das nicht so gerne mag. Und hab auch eine Abfuhr bekommen. Das ist in Summe total krank.

Und ich werde niemals wieder jemandem einen neuen Kaffe anbieten oder Fruchtfleisch raussieben, bloß weil dem Herrn nicht “gefällt”, was er bekommt. Wenn er – wie in dem Fall – selbst nichts zum Frühstück beiträgt, muss er sich damit abfinden, was es gibt. Punkt.

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