Bin ich in Gefahr?

Was ich getan habe, um mich zu schützen. – Denn während der Trennungsphase steigt das Risiko von körperlicher Gewalt um das Vierfache.

Während der Trennungsphase steigt das Risiko von körperlicher Gewalt um das Vierfache!

https://www.re-empowerment.de/gewalt/ausstieg/trennung-bei-gewalt/

Auch wenn ich bis auf einige wenige Situationen, die sehr grenzwertig waren, in meiner Beziehung nur mit psychischer und nicht mit physischer Gewalt konfrontiert worden bin, war ich mir vor und nach der Trennung immer extrem unsicher, ob ich mich sicher fühlen darf, oder ob ich in Gefahr bin.

Mal ehrlich: woher soll ich wissen, ob seine Psychoattacken nicht irgendwann doch in physische Gewalt umschlagen? Vor allem, wo es viele Selbstmorddrohungen von ihm gab. Er hatte mich schon einmal im Streit an den Armen gepackt und geschüttelt, weil ich ihn nicht verstanden hatte. Ein anderes Mal hatte er gegen meinen Willen meine Fäuste genommen und damit gegen seinen Kopf getrommelt, wonach mir einen Tag lang die Hand weh tat (Er wollte mir damals zeigen, wie schlecht er sich damit fühl wie ich ihn behandele…). Er hat bei Letzterem völlig ignoriert, dass mir das ja wehtun könnte! – Irgendwann ist immer das erste Mal, und das wollte ich nicht miterleben. Sprich: bloß weil er manches noch nicht getan hat, vertraue ich nicht darauf, dass es nicht passieren könnte.

Also habe ich angefangen, mich zu informieren. Und ich habe mit Schrecken festgestellt, dass dir in so einer Situation, in der du zwar berechtigte Angst hast, dass dir jemand was antut, praktisch niemand helfen kann, solange dir noch nichts angetan wurde. “Niemand” ist vielleicht etwas übertrieben, aber viele Hilfestellungen gibt es nicht.

Drei wichtige Dinge konnte ich allerdings selbst tun:

  1. Mich informieren
  2. Darüber sprechen
  3. Alles dokumentieren
  4. Mich auf den Ernstfall vorbereiten

Ich habe mich informiert.

Und war über alles, was mit unseren Beziehungsproblemen einherging:

  • Über die rechtliche Lage. Hier hat mir z.B. frag-einen-anwalt.de weitergeholfen, weil man dort für wenig Geld eine Einschätzung seiner eigenen Lage bekommt und anonym bleiben kann.
  • Über das Thema Härtefallscheidung. Dieser Beitrag hat mir insofern weitergeholfen, dass ich gesehen habe, dass ich mehr oder weniger auf mich gestellt bin, was nicht schön, aber wichtig zu wissen ist.
  • Über Beratungs- und Schutzeinrichtungen. Ich habe mich über Frauenhäuser, den Opferschutz der Polizei, den psychosozialen Dienst usw. informiert, war bei der örtlichen Frauenberatungsstelle, die im Übrigen auch immer günstige Rechtsberatungen anbietet, und habe mir die Nummer des Hilfetelefons im Handy eingespeichert (aktuell die 08000 116 016).
  • Über die Hintergründe psychischer Gewalt. Das half mir, Muster zu erkennen und früh aus dem Gewaltfreislauf auszusteigen, und ich habe eine Menge über uns beide erfahren. Seiten wie Umgang mit Narzissten, Out of the Fog, Re-Empowerment oder die Borderline-Plattform haben mir hier weitergeholfen.

Ich habe darüber gesprochen.

Ich war lange Zeit isoliert und habe aus Angst, etwas falsch zu machen, keinen Kontakt mehr zu meinen Freunden gesucht. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass ohne den Kontakt nach außen ganz schnell der Draht zu realen Welt abreißt und man alleine nicht so einfach aus der ganzen Situation rauskommt. Also habe ich mir irgendwann professionelle Hilfe geholt und habe langsam und vorsichtig angefangen, mit den Freundinnen, bei denen ich das Gefühl hatte, sie könnten manche Infos verkraften und mich verstehen, über meine Probleme zu sprechen. Das hat mir Kraft gegeben.

Ich habe angefangen, alles zu dokumentieren.

Ja, wirklich alles: jeden Streit, jede Absprache usw. Einen besonders schlimmen Streit konnte ich sogar unbemerkt mit dem Handy aufnehmen (logischerweise nur den Ton), ich führe eine Liste über alles, was zwischen uns passiert, und habe zusätzlich eine Überwachungskamera zuhause installiert, denn man weiß ja nie… Letztere gibt es schon für unter 50 € zu kaufen.

Ich habe mich – so gut es geht – auf den Ernstfall vorbereitet.

Ich habe mir vorgestellt, was im schlimmsten Fall passieren könnte, und das wäre wahrscheinlich eine körperliche Auseinandersetzung im Affekt, deren Härte und Ausgang ich nicht einschätzen kann. In so einem Fall gibt es für mich nur zwei Möglichkeiten: weglaufen oder mich wehren. Weglaufen muss man erst mal können, d.h. man muss fit und schnell genug sein, daher habe ich angefangen, stärker auf meine Gesundheit und Fitness zu achten. Falls Weglaufen aus diversen Gründen keine Option ist, bleibt logischerweise Verteidigen und/oder Kämpfen übrig. Ich habe diese Angst vor der Ungewissheit total gehasst: dieses Gefühl, vielleicht falsch zu reagieren, unterlegen zu sein, nicht lange genug durchzuhalten… und habe einen Selbstverteidigungskurs gemacht, der auf solche Situationen ausgelegt ist. Auch wenn ich das Gelernte für diesen Ernstfall vielleicht niemals anwenden muss, habe ich gemerkt, dass ich mich auch sonst draußen viel sicherer fühle und weniger Angst habe. Insofern hat sich das Ganze auf jeden Fall gelohnt!

Ich kam mir dabei ein bisschen vor wie Jennifer Lopez in “Genug”. 🙂 Glücklicherweise war die Situation bei mir allerdings nie so extrem wie im Film.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You May Also Like