Wie ein Frosch im heißen Wasser

Setzt man einen Frosch in heißes Wasser, springt er sofort aus dem Topf. Er merkt sofort, dass ihm das nicht gut tut. Setzt man denselben Frosch in einen Topf mit kaltem Wasser und erhitzt das Wasser allmählich, bleibt der Frosch drin sitzen.

Ich war wie der Frosch: zu Beginn war unsere Beziehung pures Feuerwerk, ich dachte, ich hätte endlich einen Mann gefunden, der dieselben Ziele und Interessen wie ich hat, und ganz allmählich kam die eine oder andere Situation, die mich stutzig gemacht hat. – Aber isoliert gesehen, hätte es für alles immer einen guten bzw. positiven Grund geben können.

Und dann kamen die Situationen, wo mein Bauchgefühl mir definitiv gesagt hat, dass unsere Beziehung überhaupt nicht mehr normal ist. Aber ich konnte es nicht richtig glauben: er fing an, mich mehr und mehr zu vereinnahmen, mich zu kontrollieren, er wurde eifersüchtig auf Freunde, Familie, Eltern… Er bekam Tobsuchtsanfälle, er machte einmal pro Monat Schluss; um sich dann kurz darauf wieder zu entschuldigen, mir seine ewige Liebe zu beteuern, mir zu sagen, wie sehr er diesen Ausfall doch bedauert. Das war einfach nur verrückt. Aber statt zu gehen, habe ich ganz fassungslos wie ein Zuschauer meine Lage betrachtet, innerlich mit dem Kopf geschüttelt und fand das so seltsam, dass ich wirklich glaubte, dass es sowas ja gar nicht geben kann, und dass es ja irgendwann von allein wieder aufhören musste, denn… nein, das konnte einfach nicht wahr sein!

Irgendwann habe ich es dann realisiert: es wird immer so weitergehen. Und obwohl ich genau wusste, was ich tun musste – nämlich abhauen – hat mich diese Erkenntnis regelrecht gelähmt und mich in den Modus “Durchhalten” versetzt. Ich hätte das nicht erstragen können, wenn ich mich in dem Moment innerlich nicht von allem verabschiedet hätte, was mir wichtig war: Freunde, Familie, Zukunftspläne, finanzielle Sicherheit, Gesundheit, Selbstverwirklichung, persönliche Weiterentwicklung, Hobbies, Glück. Ich habe es zu 80% geschafft, mich damit abzufinden, dass mein Leben vielleicht bis zum Tod einfach nur so ablaufen würde, dass ich nur noch für ihn da bin und versuchte, es ihm recht zu machen. Mit seiner Lebenseinstellung war an Kinder nicht zu denken (bzw. wäre es das Unvernüftigste gewesen, was ich mir je hätte ausmalen können) – also würde dieses Scheißleben dann immer so weiter gehen. Jeder Tag derselbe. Wie im Gefängnis. Und irgendwann wäre es dann endlich vorbei.

Und je mehr sich der letzte Gedanke bei mir breit gemacht hat, desto wütender wurde ich, und zum Glück haben die restlichen 20% mich stark gemacht, um irgendwann abzuhauen.

Ich habe mir irgendwann gesagt: “Es wird nicht besser, wenn du im warmen Wasser sitzen bleibst, denn das Wasser wird heißer werden, nicht kälter. Und es hilft auch nicht, wenn du auf ein Wunder hoffst, denn du brauchst kein Wunder, sondern du hast es selbst in der Hand. Okay, du hast panische Angst. Und falls du darauf wartest und hoffst, dass einfach der Strom ausfällt, ist das verständlich – denn das wäre ja so praktisch. Aber eher gewinnst du im Lotto, also versprich dir selbst, dass du niemals wieder so lange im Wasser sitzen bleibst, sondern beim ersten Anzeichen die Konsequenzen ziehst.” – Denn was ich erlebt habe, darf niemals wieder jemand mit mir machen!

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