Er hat 7 meiner Menschenrechte und 6 meiner Grundrechte auf dem Gewissen – und er kommt damit davon.

Mein Ex hat meine Rechte rücksichtslos missachtet und für unser Miteinander eigene Gesetze aufgestellt. – Und jetzt stellt er sich als Opfer dar.

Mein Ex hat während unserer Beziehung und Ehe sieben meiner Menschenrechte und sechs meiner Grundrechte missachtet. Er hat mir diese Rechte nie auf die Art genommen, die mir die Möglichkeit gegeben hätte, rechtlich etwas dagegen zu tun. Es gibt einfach nicht viele Formen der psychischen Gewalt, gegen die hier in Deutschland irgendwelche Gesetze helfen oder angewendet werden können. (In Frankreich wäre sein Verhalten strafbar, und in Amerika würde die eine oder andere Situation als Vergewaltigung angesehen werden.) Aber ich weiß, dass mein Ex mir diese Rechte genommen hat. Er brauchte mir diese Rechte gar nicht offensichtlich zu nehmen, er musste mir nichts verbieten – denn wenn ich weiß, dass ich mit Tobsuchtsanfällen, Suiziddrohungen und -versuchen und durch die Luft fliegenden Gegenständen rechnen muss, wenn ich diese Rechte ausüben will, dann ist es dasselbe, als würde er mir all diese Dinge schwarz auf weiß und in aller Öffentlichkeit verbieten:

Die Menschenrechte

Jeder, der wegen einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, hat das Recht, als unschuldig zu gelten, solange seine Schuld nicht in einem öffentlichen Verfahren, in dem er alle für seine Verteidigung notwendigen Garantien gehabt hat, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.
Niemand darf wegen einer Handlung oder Unterlassung verurteilt werden, die zur Zeit ihrer Begehung nach innerstaatlichem oder internationalem Recht nicht strafbar war.

Artikel 11 (Unschuldsvermutung)

Bei uns hat es eigentlich schon gereicht, wenn er das Gefühl hatte, ich hätte etwas getan, was ihm nicht passt. Dann konnte er mir grundlos Verhältnisse mit Geschäftspartnern unterstellen, wilde Affären mit wem auch immer, die irgendwer in einem Video erfasst und irgendwo hochgeladen hatte, von denen er “wusste”, dass die Frau mit dem Rücken zur Kamera, die einfach die gleiche Haarfarbe wie ich hatte, ich sei.

Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.

Artikel 12 (Freiheitssphäre des Einzelnen)

Es gab ein Donnerwetter, wenn ich zu lange (mehr als 10 min) mit meinen Eltern telefonierte, wenn ich allein (und nicht immer mit ihm zusammen) duschen wollte, gab es Tobsuchtsanfälle, er wusste, dass meine Freunde alle nicht gut für mich waren, dass ich bitte mit X und Y einen Streit anzetteln solle, weil sie mich nicht richtig behandeln, obwohl es gar keinen Grund dafür gab, er mischte sich in meine berufliche Kommunikation ein und redigierte Facebook- und Whatsapp-Nachrichten an meine besten Freundinnen und kontrollierte, ob ich auch immer viele Grüße von ihm bestellte und ob sie sich nach ihm und seinem Wohlbefinden auch immer erkundigten. Ich konnte nichts mehr allein machen: schreiben, telefonieren… Meine 3 min auf der Toilette (hat’s länger gedauert, gab es Fragen wieso) waren oft die einzigen paar Minuten Privatsphäre am Tag.

Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.

Artikel 18 (Gedanken-, Gewissens-, Religionsfreiheit)

Moment! Also mit wem ich Kontakt habe und welche Meinungen ich zu vertreten hatte, war doch klar: da wir seelenverwandt waren, dachte ich dasselbe wie er und hatte das auch kundzutun. Und wehe, ich war mal einer anderen Meinung. Dann wurde gleich meine ganze Liebe zu ihm und die Bezihung auf den Prüfstand gestellt. – Ja, Liebe war nicht einfach da: Liebe musste immer wieder “bewiesen” werden.

Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Artikel 19 (Meinungs- und Informationsfreiheit)

Ja, eine eigene Meinung hatte ich, aber habe ich die geäußert und stimmte sie nicht mit seiner überein, gab es Streit – aber so richtig. Mal war ich “heuchlerisch”, mal “spielte” ich ihm was vor, mal war ich auf einmal “eine komplett andere Person, als die, die er kennengelernt hat”…

Alle Menschen haben das Recht, sich friedlich zu versammeln und zu Vereinigungen zusammenzuschließen.

Artikel 20 (Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit)

Ja, sofern er dabei war, ausreichend Aufmerksamkeit bekam und die Fäden in der Hand hatte. Ich durfte allerdings nirgendwo hin, wo andere Männer waren. Oder mich mit Leuten treffen, die er nicht kannte. Ich könnte ihm ja fremdgehen o.ä. Na klar.

Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.
Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.

Artikel 23 (Recht auf Arbeit, gleichen Lohn)

Haha. Mein Ex lebte noch in der Zeit vor 1977, d.h. in der Zeit, wo Männer noch Frauen das Arbeiten verbieten durften. Gemeinsame Zeit hatte eindeutig bei uns Vorrang. Wenn er nicht genug Sex bekam, stand er manchmal wütend vor mir und meinte mit erhobener Stimme: “Ich brauche das!!!” – Ihm war es sowas von egal, wenn ich heulend vor ihm auf dem Boden zusammengesunken war und nur immer wiederholte: “Aber ich muss doch arbeiten und Geld verdienen.” Für ihn war es okay, dass er mit in meine Wohnung eingezogen war, die nur deswegen so schön war, weil ich mich beruflich nicht auf die faule Haut gelegt hatte. Aber aus seiner Sicht setzte ich die Prioritäten falsch, und er hatte immer an erster Stelle zu kommen!

Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen gewährleistet sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.

Artikel 25 (Recht auf Wohlfahrt)

Ja, seine Vorstellung sah so aus: ich widme ihm all meine Zeit und opfere alle finanziellen Reserven und verschulde mich, damit ich uns für ihn als Wiedergutmachung für den einen oder anderen Streit den einen oder anderen kleinen Wochenendtrip zahlen kann, der Arzt muss bitte in der Nähe sein, damit er mit ins Behandlungszimmer kommen kann und damit ich uns durch zu weite Fahrten zum Arzt nicht zu viel “Zeit stehle”, die wir auch “schön” miteinander verbringen konnten. Im Bett hat er so oft und so viel gewollt, dass ich mich in meinem eigenen Körper nicht mehr wohlgefühlt habe und mich irgendwann meiner Gynäkologin anvertraut und ihr gesagt habe, dass ich nicht mehr kann. Depressionen hatte ich auch. – Und mitgenommen aus der ganzen Zeit habe ich eine posttraumatische Belastungsstörung, die sich hier und da bemerkbar macht. Dankeschön.

Die Grundrechte

Einiges überschneidet sich mit den Menschenrechten. Dennoch hat er folgende Rechte von mir einfach ignoriert. Es war so, als würde das, was für alle anderen Menschen selbstverständlich ist, in unserer Beziehung auf einmal nicht mehr gelten.

Artikel 1

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Artikel 2

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Artikel 5

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Artikel 8

(1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.

Artikel 10

(1) Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.

Artikel 12

(1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.

Er hat mich absolut rücksichtslos behandelt: das war keine Liebe! – Und was alldem noch die Krone aufsetzt, ist, dass er bis heute der Meinung ist, dass ich unsere Beziehung zerstört habe und dass er das Opfer ist!

Ich habe Angstzustände bekommen, Depressionen, Existenzängste und war irgendwann hoch verschuldet und von der Außenwelt völlig isoliert. Und so oft habe ich gehofft, es passiert ein Wunder, irgendwer merkt irgendwas und ich bekomme Hilfe. Aber diese Hilfe kam nicht und er hat weitergemacht und weitergemacht. Ich konnte nichts tun – außer mich irgendwann für mich und mein Leben zu entscheiden, mir Hilfe zu suchen und mich zu trennen und mich außer Gefahr zu bringen. Und so hart die Zeit nach der Trennung auch war; es war die einzig richtige Entscheidung.

Ich darf immer noch nicht zu lange darüber nachdenken, dass er mit allem einfach so davonkommt, denn dann werde ich verdammt wütend. Und ich kann mir bei Weitem nicht im Entferntesten wieder eine Beziehung o.ä. vorstellen. Der Schaden ist zu groß und der Schmerz noch viel zu stark. Aber mir geht es ohne ihn besser, mein Leben funktioniert wieder und jeden Tag wird alles ein bisschen besser.

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